6.11.-24.12.2019
Am 6.November fahren wir nach einem guten halben Jahr in Europa zum Flughafen. Das trübe Wetter erleichtert uns den Abschied! Für die neuen Solarmodule und das Ersatz-Dachfenster
musste ich extra eine passende Holzkiste bauen, weil kein Koffer groß genug war. Obwohl innerhalb der zulässigen Maße, geht sie als Sperrgut auf die Reise.
Nach einem 2-stündigen Zwischenstopp in Madrid und 13h Flug empfängt uns Montevideo mit sommerlichen Temperaturen. Den Zoll interessiert natürlich die Kiste, aber sie konfiszieren
nur ein Päckchen Erdnüsse...
Mit dem Mietwagen fahren wir weiter nach Colonia, nach dem langen Flug ein Kampf mit dem Schlaf... 3 Stunden später erwartet uns das Bett in unserem staubigen Camper. Trotz der wegen
der Zeitverschiebung um 4h längeren Nacht, weckt uns erst die Sonne.
In den folgenden Tagen ist Frühlingsputz angesagt und es werden die neuen Solarzellen montiert. Auf unserem Weg nach Nueva Helvecia ersetzen wir noch unsere Campingbatterie. Beim Hotel
Suizo treffen wir auf andere Reisende und gewöhnen uns wieder ans Camperleben.
Die langsame Autofähre von Colonia nach Buenos Aires verkehrt leider nicht mehr und die neuen, schnellen Katamarane sind wegen unserer Fahrzeughöhe sehr teuer. Also entscheiden
wir uns für 400km Umweg via der Brücke über den Rio Uruguay.
Unser erstes Ziel in Argentinien ist San Antonio de Areco, ein hübsches Pampa-Städtchen mit Gauchotradition.
Auf dem Campingplatz bestaunen wir die riesige Feuerstelle mit den Fleischbergen. Prompt lädt uns der Asadero, der Grillmeister, zu leckerem Fleisch und Wein ein.
Es ist ein Altherrentreffen von ehemaligen Internatsschülern und einer ihrer Lehrer zeichnet uns noch schnell eine Erinnerung an Areco auf einen Pappdeckel.
Auf dem ACA-Campingplatz (ACA = Automovil Club Argentina) in Luján treffen wir wieder Walther, den wir schon in Nueva Helvecia kennengelernt haben. Seit 2½ Jahren ist er mit
Landrover und Anhänger allein in Südamerika unterwegs. Das Campinggelände ist riesig und bewacht. Hier können wir das Auto sicher abstellen und für 3 Tage ins Hotel nach Buenos Aires fahren.
Wunderbar blühen überall die lilafarbenen Jacarandabäume und ein lauer Wind bläst durch die Straßen, Buenos Aires macht seinem Namen alle Ehre!
In der Calle Florida
wechseln wir Geld und erhalten für 1 US-Dollar 65 argentinische Pesos, ca. 10% mehr als der offizielle Kurs. Der von uns sehr geschätzte Firestone-Atlas von Argentinien wird leider nicht mehr gedruckt. Als Ersatz
kaufen wir beim Automobilclub einen Reiseführer und eine Karte.
Die Buchhandlung im ehemaligen
Theater
Unsere gute Stimmung erleidet am letzten Tag einen Dämpfer: aus dem Versteck im zurückgelassenen Rucksack im Hotelzimmer fehlen US$ 400. Das Zimmermädchen streitet natürlich
alles ab...
Via Laguna de Lobos, San Carlos de Bolivar und Tornquist fahren wir in die Sierra de la Ventana, einer Hügelkette von bis zu 1200m Höhe, die wie eine Fata Morgana nach Hunderten
Kilometern Fahrt aus der topfebenen Pampa auftaucht.
Bei über 30º verzichten wir aber auf die schattenlose Wanderung zum namensgebenden Fenster.
In Bahia Blanca lassen wir alle Fahrzeugöle wechseln, nur das Abschmieren der Kardanwelle werde ich noch übernehmen!
Am nächsten Tag überqueren wir den Rio Negro und erreichen damit die Nordgrenze Patagoniens. Im nahegelegenen Seebad El Condor erwarten uns lange Strandspaziergänge entlang der Klippen. Geschätzte 35000 Papageienpärchen ziehen hier in bis zu 4m tiefen Löchern ihre Jungen auf. Das Gezwitscher begleitet uns den ganzen Tag!
Bei der Halbinsel Valdes sind die Wale leider schon verschwunden, nur die Seelöwen liegen faul am Strand.
Heftig packt uns der Westwind auf der Weiterfahrt nach Commodore Rivadavia. Mit nur noch 60km/h kämpfen wir uns vorwärts um dann auf dem Campingplatz in Rada Tilly einen regelrechten
Sandsturm zu erleben. Beim Abendessen knackt es in meinem Kiefer: ein Backenzahn hat dem weichen Brot nicht standgehalten. Eine nette Zahnärztin erbarmt sich meiner, entfernt das abgebrochen Stück und wünscht
uns eine gute Reise.
Unser nächstes Ziel Puerto Deseado liegt etwa 130km abseits der Hauptroute am Atlantik. Mit Glück können wir nach unserer Ankunft noch eine Bootstour zu den 18km entfernten
Islas Pingüinas, den Pinguininseln, für den nächsten Tag buchen.
Nach einer Stunde Fahrt im offenen Schlauchboot erreichen wir das Tierparadies. Hunderte Seelöwen und -elephanten liegen träge am Strand, zwischen ihnen watscheln Gruppen von Magellanpinguinen
zum Wasser.
Auf der anderen Seite der Insel erwartet uns dann der Höhepunkt: eine Kolonie der Felsenpinguine, Pingüinas con penacho amarillo.
Sie nisten auf Felsen hoch über dem Meer und sind etwas kleiner als die Magellanpinguine. Herrlich wie sie die Felsen herunterhopsen, Höhenangst kennen sie nicht!
Die Rückfahrt im Boot wird zum Härtetest für die Wirbelsäule: immer wieder kracht das Boot in die Wellentäler und wir halten uns verkrampft an den Seilen fest.
Auf dem Camping am Meer haben wir einen schönen windgeschützen Platz belegt und entscheiden uns dafür erst am 1.Weihnachtstag weiterzufahren.















