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05 Durch die Südanden

                                                                                                                      15.01.-18.04.2020


 

Bei der Ausreise aus Chile in Cerro Castillo stehen viele Busse und entsprechend lang sind die Schlangen am Schalter. Wir müssen warten bis alle Buspassagiere ihren Stempel im Pass haben. Bei der Einreise nach Argentinien werden wir dann aber wegen unseres Autos schnell an einem eigenen Schalter abgefertigt. Und ins Auto schauen will auch niemand!

Bei der Weiterfahrt sehen wir dank einer extremen Fernsicht die Torres noch lange am westlichen Horizont.
Die Campingplätze in El Calafate platzen aus allen Nähten, Zelt an Zelt. Aber für die erste Nacht reicht uns der Platz an der Tankstelle!

Wie der Zufall es will macht Gerhard, mein Schwager, auf seiner Motorrad-Tour gerade heute in El Calafate Halt, wir treffen uns in einem Steakhaus und erleben einen lustigen Abend.



 



















Am nächsten Morgen sichern wir uns einen Platz auf dem AMSA-Camping, bringen unsere Wäsche in die Reinigung und stocken unsere Vorräte auf. Der obligatorische Besuch des Perito-Moreno-Gletschers beeindruckt uns auch dieses Mal. Auf den schön angelegten Wegen verteilen sich die Besuchermassen und wir finden sogar ein ruhiges Plätzchen fürs Picknick.

 




Bei unserer Ankunft an unserem nächsten Ziel, El Chaltén, haben wir Glück und ergattern einen schönen Platz auf dem Wohnmobilareal mit herrlichem Blick auf die zunächst noch wolkenverhangenen Berge.










Gegen Abend befreit sich der Fitzroy von den Wolken, und am nächsten Morgen ist das Panorama mit dem Cerro Torre vollständig. Auf den verschiedenen Tageswanderungen können wir die Berge immer wieder aus neuen Perspektiven bewundern.








Der Weg nach Norden ist zu 90% asphaltiert, der Rest allerdings sehr staubig. Am Lago Buenos Aires, dem zweitgrößten See Südamerikas, pausieren wir einige Tage, genießen die angenehmen Temperaturen und die leckeren Kirschen, deren Ernte in diesen Tagen zu Ende geht.

Die Straße von Los Antiguos zum Paso Roballos ist leider gesperrt. Nach dem Grenzübertritt nach Chile fahren wir daher über die beeindruckend in den Fels gesprengte Schotterpiste.




































An der Kreuzung mit der Carretera Austral im Südwesten des Sees geht es wieder nordwärts. Große Teile dieser Ruta 7 wurden inzwischen geteert und haben den Besucheransturm massiv steigen lassen. Daher sind die ungeteerten Abschnitte sehr ausgefahren, denn selbst große Lastwagen mit Anhänger quälen sich über die Staubpiste.

Da kommen die Termas de Ventisquero gerade recht: abwechselnd sitzen wir in den Heißwasserbecken und schwimmen im Fjord. Der sonnige Tag beschert mir einen gehörigen Sonnenbrand!
 






Durch das Tal des Rio Futaleufú überqueren wir die Anden und wechseln wieder nach Argentinien. Vorbildlich ist der saubere von Weinreben umgebene Campingplatz. Vor Jahrzehnten begannen hier die Auswanderer aus Italien den südlichsten Weinberg Südamerikas anzupflanzen.


































Im Nationalpark Los Alerces finden wir ein wunderschönes Plätzchen am Lago Rivadavia.




Endlich habe ich auch Erfolg beim Angeln und wir genießen die große Regenbogenforelle aus der Alufolie. Bis auf 2º kühlt es nachts ab, aber tagsüber ist es sehr warm und wir freuen uns auf unser tägliches Bad im glasklaren Wasser.


Groß ist der Trubel in El Bolson: Rosenmontag und Faschingsdienstag sind scheinbar offizielle Feiertage und gleichzeitig feiert man die Fiesta del Lúpolo, das Hopfenfest, bei hochsommerlichen Temperaturen. Viele Straßen sind gesperrt und das Bier fließt in Strömen.







In Bariloche ist immer noch viel Betrieb: am Sonntag findet der Ironman-Wettkampf statt und die Uferstraße ist gesperrt. Die Stadtbusse vom Zentrum zu den bekannten Sehenswürdigkeiten sind so voll, sie halten nicht einmal mehr bei unserem Campingplatz. So ändern wir unser Wanderziel und fahren in der Gegenrichtung hinauf nach Villa Catedral, dem Skigebiet von Bariloche.


Dank der Karte auf dem Handy finden wir einen einsamen Wanderweg auf den Cerro San Martin und werden mit einer herrlichen Aussicht auf die Seenlandschaft belohnt.













Den Ausflug zum berühmten Llao-Llao-Hotel holen wir am nächsten Tag noch mit unserem Auto nach!


Wir verlassen Bariloche über die Straße der sieben Seen. Leider ist die Nutzung der anvisierten Campingplätze nur noch tagsüber erlaubt. erst am Rio Pichú Traful werden wir fündig. Es gefällt uns hier so gut, dass wir acht Tage bleiben.









In Junin de los Andes steuern wir die Insel im Fluss mit den drei Campingplätzen an. Leider ist die Holzbrücke vor einem Monat eingestürzt und nur noch zu Fuß oder Rad passierbar! Zum Glück finden wir etwas außerhalb auf einem Camping einen schönen Platz am Fluss.


So langsam gehen unsere in Buenos Aires gewechselten Pesos zu Ende. Pro Bargeldbezug in den Banken erhält man maximal umgerechnet 60€ bei ca. 15% Kommission, das sind dann nur noch 50€! Von anderen Reisenden erhalten wir den Tipp Geld via Western Union zu schicken. Innerhalb eines Tages kommen wir so zu genügend Pesos und das noch zu einem sehr günstigen Kurs.


Auf unserer Weiterfahrt nach Aluminé weht der stürmische Wind feinen Vulkanstaub von Westen über die Straße, wir fahren wie im Nebel. Über das Wochenende bleiben wir auf dem wunderschönen Campingplatz am Fluss und zum ersten Mal auf dieser Reise packen wir den Grill aus. Am Sonntag erhalten wir Besuch von zwei Polizisten, sie kontrollieren unsere Pässe und wünschen uns gute Reise. Auch meinen sie, unser geplanter Abstecher nach Chile sei kein Problem.








Staubig wird es auf der Fahrt nach Villa Pehuenia, benannt nach den vielen Araukarien, die hier Pehuen genannt werden. Der Platz am Lago Aluminé wird von einer Mapuche-Familie betreut. Um ihr Haus herrscht das absolute Chaos, aber der Camping ist sauber und sehr schön, wir sind die einzigen Gäste.


Wir erwachen bei dichtem Nebel, der sich aber rasch verzieht. Und so planen wir eine Wanderung zum Vulkan Batea Mahuida bevor wir weiter nach Chile wollen. Wir stoppen bei der Touristeninformation um Genaueres über den Weg auf den Vulkan zu erfahren. Der junge Mann überrascht uns mit der Mitteilung, seit heute morgen sei die Grenze nach Chile wegen der Coronakrise geschlossen. So können wir uns den ganzen Tag Zeit für die Vulkantour nehmen! Wir parken am Anfang der 4x4-Piste, die bis ganz hinauf führt. Nach und nach lassen wir die Araukarien hinter uns und steigen entlang der Grenzlinie zu Chile bis zum Gipfel auf knapp 2000m, wo uns ein toller Rundumblick belohnt. Das Seengebiet liegt direkt unter uns und in der Ferne sehen wir die Vulkane Lanin, Llaima und Longimay.









Also bleiben wir in Argentinien!




Unser nächstes Ziel ist Las Lajas und von hier wollen wir weiter nördlich in die Provinz Mendoza. Aber daraus wird nichts: gerade haben wir uns auf dem schönen Campingplatz in Las Lajas eingerichtet, erhalten wir wieder Polizeibesuch und erfahren, dass die Provinzgrenze nach Mendoza geschlossen wurde. Bis morgen früh um 8 Uhr dürfen wir noch hier stehen, dann werde der Camping auch geschlossen. So langsam scheint die Krise auch hier zuzuschlagen. Wir beschließen möglichst direkt zu unseren Freunden im 1200km entfernten San Luis zu fahren. Aber schon nach 80km werden wir vor Zapala aufgehalten. Die Polizisten kontrollieren unsere Pässe und entspannen sich merklich als sie feststellen, dass wir schon fast 5 Wochen in Argentinien sind. An eine Weiterfahrt ist jedoch zunächst nicht zu denken. Erst als der lokale Polizeichef eintrifft und uns ein Laisser-Passer für die Provinz Neuquén ausstellt, dürfen wir weiter. Bis San Luis müssen wir aber noch durch die Provinzen Rio Negro und La Pampa.













Typische Pilgerstätte an der Straße.
Ob uns der heilige Ceferino auch hilft?





Die erste Provinzgrenze passieren wir problemlos und wollen auf dem nächsten Camping übernachten. Nein, alle Campingplätze sind geschlossen und in die Stadt dürfen wir auch nicht. Also suchen wir uns ein staubiges Plätzchen etwas abseits der stark befahrenen Hauptstraße. Kaum sind wir im Bett erhalten wir wieder Polizeibesuch, diesmal mit Sanitätern. Nachdem wir ausgestiegen sind, bekommen wir sofort Masken und müssen Fieber messen. Nach und nach entspannt sich die Situation, insbesondere wieder nachdem sie festgestellt haben, dass wir schon lange in Argentinien sind. Nachdem wir versprechen morgen um 8 Uhr wegzufahren, dürfen wir weiterschlafen. In La Pampa sind die Straßen wie leergefegt und wir können uns beim Fahren abwechseln. Bei der Einreise nach der Provinz San Luis werden wir nochmal genau kontrolliert. Die Polizisten sind sehr hilfsbereit und zeigen uns die Route nach El Volcán bei San Luis auf ihrem Handy.

Auch hier sind wir allein auf der vierspurigen Autobahn. Prinzipiell fahren wir nie nachts, aber heute müssen wir eine Ausnahme machen. Kurz vor 22 Uhr kommen wir glücklich und todmüde bei unseren Freunden an: nach 1200km mit maximal 70km/h auf zum Teil sehr schlechten Straßen.

In den nächsten Tagen zeigt sich, dass wir recht hatten mit unserer Gewalttour: die Provinzgrenzen werden mit Zäunen abgeriegelt!

Wie weit kommen wir noch ohne Licht?



In San Luis herrscht eine strikte Ausgangssperre: nur zum Einkaufen von Lebensmitteln und maximal zwei Personen zusammen dürfen auf die Straße. Im Auto ist neben dem Fahrer nur eine Person auf dem Rücksitz erlaubt.


Bei unseren Freunden dürfen wir hinter dem Haus campieren, wir haben Wasser, Strom und Internet.

Und wir helfen mit beim Bau eines Plumpsklos...


















Sitzprobe!















Wir lernen welche Fleischstücke besonders lecker sind und wie die Argentinier sie auf dem Grill zubereiten





Unsere Hoffnung nach der bis Ende März befristeten Ausgangssperre weiter nach Uruguay zu fahren, erfüllt sich nicht. Erst als wir kurz vor Ostern vom letzten Rückholflug von Buenos Aires hören, beginnen wir unsere Heimreise zu planen. Neben der Flugbestätigung und einem Platz in dem vom Konsulat organisierten Bus von Mendoza nach Buenos Aires, brauchen wir eine Ausreisegenehmigung aus der Provinz San Luis und ein Gesundheitszeugnis. Für unseren Camper müssen wir einen Abstellplatz und eine Verlängerung der Importerlaubnis, die am 13.Mai endet, organisieren. Das Letztere bereitet besondere Schwierigkeiten, weil alle Behörden wegen der Krise geschlossen sind. Nur dank Beziehungen erhalten wir eine Bestätigung unserer Blockade von der Polizei.









Warten am Autodromo in San Luis auf den Bus nach Buenos Aires











Schlussendlich klappt alles und am 17.April kommen wir nach 15 Stunden Busfahrt frühmorgens am Flughafen von Buenos Aires an. Auch hier wieder Passkontrolle und Fiebermessen bevor wir das menschenleere Terminal betreten dürfen. Alle Läden sind geschlossen, nur Café- und Cola-Automaten funktionieren.





Gegen 15 Uhr wird hinter den Checkin-Schaltern eine deutsche Fahne montiert; anschließend begrüßt uns der deutsche Botschafter mit “Liebe Landsleute“, da wird einem ganz warm ums Herz...

Mit Glück erhalten wir Plätze in der Economy-Plus-Klasse und ich kann meine Beine strecken. Der ganze Ablauf ist gut organisiert und pünktlich gegen 20:30 Uhr hebt der Jumbo ab.




Nach knapp 13 Stunden landen wir in Frankfurt. Um Menschenansammlungen zu vermeiden dürfen wir erst nach Aufruf reihenweise aussteigen. Aber an den Gepäckbändern treffen sich doch wieder alle. Noch 10 min bis zur Abfahrt unseres Zuges, schaffen wir das? Ja, es klappt, aber dann hat der ICE eine Panne und wir müssen am Frankfurter Hauptbahnhof umsteigen.



Roman holt uns um 21:30 Uhr am Laufenburger Bahnhof ab, die nötige Bettschwere hätten wir auch ohne das Begrüßungsbier gehabt!
Wir sind sehr froh wieder Daheim zu sein, müssen aber noch zwei Wochen das Haus hüten wegen der Quarantäne für frisch Eingereiste.

Durch die Südanden.pdf