01.03. - 06.04.2023
In Yacuiba müssen wir uns zuerst Bolivianos, so heißt die bolivianische Währung, besorgen. Die Wechselstuben wollen aber unsere chilenischen Pesos nicht, vermutlich aus politischen Gründen. Auch unsere 20 US-Dollarnote ist nicht gut genug: es werden nur 50 und 100 Dollarnoten akzeptiert. Schließlich bekommen wir Bolivianos an einem Geldautomat!
An der Strasse in Yacuiba reiht sich über Kilometer ein Laden an den nächsten, meistens mit Alltagskleidern: auf welche Kunden warten wohl die Marktfrauen?
Die Sonne meint es auch heute wieder gut mit uns und lässt die Temperaturen auf über 40°C steigen. In Villa Montes, 100km weiter nördlich, überqueren wir den Rio Pilcomayo, der weiter im Südosten zum Grenzfluss zwischen Paraguay und Argentinien wird. Erschöpft erreichen wir den Eco-Campingplatz und genießen die kalte Dusche mit lauwarmem Wasser...Am nächsten Morgen starten wir ostwärts an die paraguayische Grenze. Aber wann kommt die nächste Tankstelle, reicht der Diesel? Oder sollen wir noch in Villa Montes tanken? In Bolivien ist es immer ein Lotterie, ob und wenn für wie viel man Treibstoff bekommt. In Argentinien hatten wir noch unseren 20-Liter-Kanister gefüllt und hoffen nun, dass der Diesel reicht!
Flaschenbaum
Die zum größten Teil geteerte Straße führt ca. 150km durch hügeliges und trockenes Gelände. Vor dem Zoll warten zwei deutschsprechende Motorradfahrer auf ihre Papiere. Sie kommen aus Neuland, eine der Mennoniten-Gemeinden im Chaco und wollen mit ihren großen BMW-Maschinen zu einem Bikertreffen in Bolivien. Beide sind hier geboren, aber nur einer lebt in Neuland. Der andere kommt jeweils im Winter aus Deutschland zu Besuch.
Die Zöllner auf der Paraguayseite sind beim Mittagessen, wir sollen warten... Dann wird das Autoformular per Hand ausgefüllt. Und direkt hinter dem Zollgebäude gibt es eine Tankstelle: damit kann ich meine Diesel-Reichweiten-Ängste begraben!
Unser heutiges Ziel, eine kleine Forschungsstation in einem Naturreservat in der Nähe, entpuppt sich als schattenloser Platz umgeben von Stachelbüschen. Während unseres Picknicks besuchen uns zwei junge Männer, ein Paraguayer und ein Deutscher, der hier ein Freiwilligenjahr verbringt. Der fehlende Schatten und die nur bei Trockenheit passierbare Zufahrt lassen uns weiterfahren.Palmen und Stachelgebüsch begleiten uns nun über viele Kilometer. In Mariscal Estigarribia wollen wir im Schweizer Rosaleda-Resort übernachten, aber die Zufahrt, immerhin 30km, hat sich in eine Schlammpiste verwandelt. Etwas ratlos stehen wir an der Abzweigung, da kommt uns ein Rosaleda-Pickup entgegen. Andi kommt aus Belp, lebt seit 20 Jahren hier, und meint er könne uns ein Hotel im Ort empfehlen. Doch der Hotelier weist uns ab und schickt uns zum Flughafen-Hotel. Hier ist die Leiterin sehr nett: wir dürfen neben dem Hotel mit Strom für Ventilator und Kühlschrank übernachten und sogar im Hotel duschen, und alles gratis!
Die zwei Motorradfahrer an der Grenze hatten uns einen Besuch des Museums in Neuland empfohlen, unserem nächsten Ziel. Kaum losgefahren, fängt es heftig an zu regnen. Die Zufahrt nach Neuland ist geteert, aber alle Seitenwege stehen unter Wasser und bestehen nur noch aus rotem Matsch. Aber das scheint hier niemanden groß zu stören...
Das kleine Museum ist zwar geschlossen, das Areal steht unter Wasser, aber die alten Landwirtschaftsgeräte können wir über den erhöhten Rundweg besuchen. In Neuland hat es viele hübsche Häuser mit Blumen, deutsche Straßennamen und einen Supermarkt mit deutschen Produkten. Aber gutes Brot suchen wir vergeblich!
Wieder ist unser nächster Campingplatz wegen des Regens unerreichbar, also bleiben wir über Nacht auf dem Supermarkt-Parkplatz.
Gründungsort
der Kolonie Neuland
Der Trans-Chaco-Highway ist zum größten Teil sehr gut ausgebaut, wird aber immer holpriger je näher wir der Hauptstadt Asunción kommen. Vor der Brücke über den Rio Paraguay wird neben der Strasse günstiges argentinisches Benzin in Wasserflaschen angeboten.
Paraguay gilt in ganz Südamerika wegen der niedrigen Steuern als Einkaufsparadies. Auch wir wollen davon profitieren und zwei neue Vorderradreifen kaufen. Für unsere Räder gibt es allerdings nur Reifen „Made in China“.
Unsere Fahrt geht weiter nach Osten nach Ciudad del Este. Wir besichtigen den Itaipu-Staudamm, zuerst das Modell, dann das Original und holen uns eine Erlaubnis zum Besuch des Naturreservats „Tati Yupi“. Hier genießen wir vier ruhige, erholsame Tage.
Wir können garnicht aufhören zu
Photographieren!
Aufmerksame Beobachter
schauen uns beim Grillen zu!
Auf der Weiterfahrt nach Hohenau, stoppen wir nochmal in Ciudad del Este und ersetzen nun auch noch die Hinterradreifen.
Hohenau ist eines der Hauptsiedlungsgebiete deutschsprechender Auswanderer. Vielfach wird in den Läden noch Deutsch gesprochen. Für ein paar Tage bleiben wir auf dem schönen Camping Manantial.
Für den Grenzübertritt nach Posadas in Argentinien brauchen wir viel Geduld, kilometerlang stauen sich die Fahrzeuge wegen des Einkaufstourismus in beiden Richtungen: billiges Benzin in Argentinien, billiger Einkauf in Paraguay.
Immer noch macht uns die Hitze zu schaffen, kein Einschlafen ohne Ventilator. Aber je weiter südlich wir kommen, müsste es doch eigentlich kühler werden! Die Meteorologen stellen fest, dass dieser März der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist.
In Concordia fahren wir über die Grenze nach Uruguay und erhalten ohne Probleme 12 Monate Aufenthaltsrecht für das Auto. In den Termas Guaviyú finden wir einen schattigen Platz, doch dann schlägt das Wetter um und es wird kühl und regnerisch. In Nuevo Berlin am Rio Uruguay stehen wir wieder auf dem gleichen Platz und haben das gleiche Problem:
die verflixten Pharao-Ameisen finden wieder einen Weg ins Auto, diesmal nicht über das Stromkabel, sondern über einen kleinen Ast auf dem Dach. Mit Geduld, Gift und Erfahrung wehren wir uns!
Diesmal wollen wir unser Auto bei einer deutschen Großfamilie in der Nähe von Montevideo abstellen. Aus dem Internet und von Berichten anderer Camper haben wir erfahren, dass sie die Fahrzeuge auch reparieren. Bei unserem Toyota muss am Fahrwerk geschweißt werden. Aber daraus wird nichts: diese Reparatur wollen sie nicht machen! Also entschließen wir uns zurück nach Colonia zu fahren und das Auto am alten Platz zu parken. Am 4.April packen wir unsere Sachen und fahren mit dem Bus nach Montevideo ins Hotel. Am nächsten Tag fliegen wir mit Lantam nach Sao Paulo und am Abend weiter mit Swiss nach Zürich.


























